Führerschein bei der Bundeswehr

Zu Zeiten des Pflichtwehrdienstes bei der Bundeswehr war der Führerschein eine der attraktivsten Ziele, die ein Wehrdienstleistender anstrebte. Schließlich konnte man so das Notwendige mit dem Nützlichen verbinden und seinen Auto- oder Lkw-Führerschein auf Kosten des Staates erwerben. Seit Juli 2011 ist die Wehrpflicht außer Kraft gesetzt. Männer und Frauen, die sich heutzutage für den Dienst bei der Bundeswehr entscheidet, tun dies freiwillig. Doch auch bei Berufssoldaten, Soldaten auf Zeit oder Wehrdienstleistenden ist die Dienstfahrerlaubnis der Bundeswehr heiß begehrt. Schließlich werden die Kosten für die Fahrerlaubnis immer noch komplett vom Staat übernommen. Zudem ist die Ausbildung wesentlich umfangreicher und intensiver, als in einer herkömmlichen Fahrschule. Doch nicht jede Soldatin oder jeder Soldat bekommt automatisch die Möglichkeit zur Kraftfahrausbildung. Außerdem ist die Dienstfahrerlaubnis der Bundeswehr nicht mehr mit einer allgemeinen Fahrerlaubnis gleichzusetzen. Wer Chancen auf den Führerschein auf Staatskosten hat und wie die Umschreibung für den zivilen Gebrauch funktioniert, erklären wir hier.

Was ist die Dienstfahrerlaubnis der Bundeswehr?

Auch nach Abschaffung der gesetzlichen Wehrpflicht bietet die Bundeswehr freiwillig Wehrdienstleistenden und Berufssoldaten die Möglichkeit, den sogenannten Dienstführerschein zu absolvieren. Die Kosten hierfür trägt der Staat. Doch wer nun meint, dass die Dienstfahrerlaubnis der Bundeswehr mit dem herkömmlichen Führerschein gleichzusetzen ist, der irrt. Wie der Name schon verrät, berechtigt die Dienstfahrerlaubnis lediglich zum Führen von speziellen Dienstfahrzeugen der Bundeswehr. Die Fahrerlaubnis hat zwar auf zivilen Straßen Gültigkeit, allerdings nur für das jeweilige Dienstfahrzeug. Zudem ist der Bundeswehrführerschein auf die Dauer des Dienstverhältnisses beschränkt. Die Dienstfahrerlaubnis kann jedoch während und nach Ablauf der Dienstzeit in eine private Fahrerlaubnis umgeschrieben werden.

Wo kann man einen Bundeswehrführerschein machen?

Wie der Name schon sagt, kann der Bundeswehrführerschein auch nur bei der Bundeswehr im Zuge eines Wehrdienstes oder der Ausbildung als Berufssoldat absolviert werden. Seit Juli 2011 besteht in Deutschland keine gesetzliche Wehrpflicht mehr. Der Dienst bei der Bundeswehr ist also freiwillig. Da auch beim Bund die finanziellen Mittel beschränkt sind, kann nicht jeder Soldat bzw. jede Soldatin eine Kraftfahrausbildung genießen. Nur wer den Dienstführerschein aufgrund seiner zugeteilten Einsatztätigkeit unbedingt benötigt, kann sich um den Bundeswehrführerschein bewerben. Zu den Auswahlkriterien zählt zudem die Dauer der Wehrpflicht. Berufssoldaten werden somit eher für die Kraftfahrausbildung ausgewählt, als ein freiwillig Wehrdienstleistender.

Warum ist der Führerschein bei der Bundeswehr so begehrt?

Finanziell gesehen ist der Führerschein heutzutage ein beachtlicher Posten, den nicht jeder so einfach stemmen kann. Da ist die Aussicht auf eine Fahrausbildung „für lau“ schon sehr verlockend. Bei der Bundeswehr bietet sich ausgewählten Zeit- und Berufssoldaten sowie freiwillig Wehrdienstleistende die Chance, den sogenannten Dienstführerschein kostenlos zu erwerben. Der Dienstführerschein der Bundeswehr muss zwar für die zivile Nutzung bei der zuständigen Verwaltungsbehörde umgeschrieben werden, ist aber immer noch eine sehr gefragte Ausbildung. Zum einen sind da die Kosten, die komplett vom Staat übernommen werden. Zum anderen ist es die hohe Qualität der Fahrausbildung, die den Bundeswehrführerschein so interessant machen. In den Kraftfahrausbildungszentren der Bundeswehr wird das Fahren im Gelände und in besonderen Stresssituationen ausgiebig trainiert. Eine so komplexe Ausbildung ist in keiner herkömmlichen Fahrschule möglich. Doch nicht Jedermann, der den Dienst bei der Bundeswehr annimmt, darf auf die Kraftfahrausbildung hoffen.

Voraussetzungen, um einen Führerschein bei der Bundeswehr machen zu können

Für viele Soldatinnen und Soldaten ist es während ihrer freiwilligen Wehrdienstzeit besonders erstrebenswert, den Führerschein kostenlos erwerben zu können. Doch die finanziellen Mittel des Staates sind in diesem Bereich beschränkt und so kann nicht jeden Antragsteller auf eine Bewilligung hoffen. Nur wer den Führerschein für seine Tätigkeit bei der Bundeswehr tatsächlich benötigt, wird für die Kraftfahrerausbildung ausgewählt. Die Chance erhöht sich zudem, je länger die jeweilige Dienstzeit ist. Ein Berufssoldat beispielsweise kommt somit eher in Frage, als jemand, der nur einen sechsmonatigen freiwilligen Wehrdienst leistet. Ob der- oder diejenige bereits eine private Fahrerlaubnis besitzt, ist dagegen irrelevant. Wichtig ist aber, dass die Soldatin oder der Soldat das allgemein geltende Mindestalter erreicht hat. Wer schon vor seiner Wehrdienstzeit Punkte in Flensburg gesammelt hat, wird generell nicht für die Kraftfahrerausbildung bei der Bundeswehr zugelassen. Zudem muss der Führerschein-Anwärter körperlich und geistig gesund sein. Hierfür werden spezielle Test bei der Bundeswehr vorgenommen.

Welche Führerscheine kann man bei der Bundeswehr machen?

Nicht alle Wehrdienstleistende kommen während ihrer Ausbildung in den Genuss, den für sie kostenlosen Führerschein beim Bund machen zu können. Nur wenn es die auszuübende Tätigkeit der Soldatin oder des Soldaten erfordert, kommt der- oder diejenige in die engere Wahl. Die Fahrerlaubnisklassen der Bundeswehr gleichen sich mit den den EU-Führerscheinklassen. Es gibt lediglich vier zusätzliche Fahrerlaubnisklassen, für bundeswehrspezifische Fahrzeuge. Vereinfacht ausgedrückt, wird der Dienstführerschein für die Fahrzeuge Auto, Lkw, Bus oder Panzer angeboten. Detailliert sind sie in folgende Fahrerlaubnisklassen unterteilt:
  • Klasse A: Krafträder (dazu zählen Zweiräder mit und ohne Beiwagen), Hubraum ab 50 cm³, bzw. mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 Stundenkilometern.
  • Klasse A1: Krafträder der oben beschriebenen Kl. A mit einem maximalen Hubraum von 125 cm³ und einer maximalen Nennleistung von 11 kW. Diese Krads werden auch als Leichtkrafträder bezeichnet.
  • Klasse AY: Krafträder der oben beschriebenen Kl. A mit einem maximalen Hubraum von 200 cm³ und einer maximalen Nennleistung von 15 kW.
  • ">Klasse B: Kraftfahrzeuge (ausgenommen Krafträder) mit einem zulässigem Gesamtgewicht von maximal 3,5 Tonnen, mit maximal 9 Sitzplätzen incl. Führersitz. Besitzer dieser Fahrerlaubnisklasse dürfen zusätzlich einen Anhänger mitführen mit einem Gesamtgewicht von max. 750 Kilogramm.
  • Klasse C: Kraftfahrzeuge (ausgenommen Krafträder), dessen zulässiges Gesamtgewicht 3,5 Tonnen übersteigt, mit maximal 9 Sitzplätzen incl. Führersitz. Auf extra dafür zugelassenen Plätzen dürfen maximal 8 weitere Personen mitgeführt werden. Wie bei Kl. B umfasst auch die Kl. C das Mitführen eines Anhängers mit einem Gesamtgewicht von max. 750 Kilogramm.
  • Klasse C1: Kraftfahrzeuge (ausgenommen Krafträder) mit einem zulässigem Gesamtgewicht von maximal 7,5 Tonnen, mit maximal 9 Sitzplätzen incl. Führersitz. Auf extra dafür zugelassen Plätzen dürfen maximal 8 weitere Personen mitgeführt werden. Ebenfalls incl. Anhänger mit einem Gesamtgewicht von max. 750 Kilogramm.
  • Klasse D: Kraftfahrzeuge (ausgenommen Krafträder), die zur Personenbeförderung dienen mit mehr als 9 Sitzplätzen incl. Führersitz. Auch hier ist das Mitführen eines Anhängers mit einem Gesamtgewicht von max. 750 Kilogramm erlaubt.
  • Klasse D1: Kraftfahrzeuge (ausgenommen Krafträder), die zur Personenbeförderung dienen mit mehr als 17 Sitzplätzen incl. Führersitz, ebenfalls incl. Mitführen eines Anhängers mit einem Gesamtgewicht von max. 750 Kilogramm.
  • Klasse E (in Kombination mit den Fahrerlaubnisklassen B, C, C1, D, D1 oder G): Kraftfahrzeuge der Fahrerlaubnisklassen B, C, C1, D, D1 oder G incl. Anhängern mit einem Gesamtgewicht von max. 750 Kilogramm.
  • Klasse F: Halb- und Vollkettenfahrzeuge mit und ohne Anhänger.
  • Klasse G: Sonderfahrzeuge in Form von gepanzerten Radfahrzeugen, zusätzlich mit Anhängern die ein zulässiges Gesamtgewicht von 750 Kilogramm nicht überschreiten.
  • Klasse P: Kraftfahrzeuge der Klassen C oder C1. Besitzt der Fahrzeugführer die Führerscheine C oder C1 dürfen max. 16 Personen auf extra zugelassen Plätzen mitgeführt werden.

Für wen lohnt sich der Führerschein bei der Bundeswehr besonders?

Da die Kosten für den Dienstführerschein bei der Bundeswehr gänzlich vom Staat übernommen werden, ist er eine besonders lohnenswerte Ausbildung für Berufssoldaten und freiwillig Wehrdienstleistende. Zudem genießt die Kraftfahrausbildung beim Bund einen hervorragenden Ruf. Die Fahrer werden hier besonders sorgfältig geschult und Erlernen den sicheren Umgang mit dem Fahrzeug selbst unter schwersten Bedingungen. Da der Dienstführerschein, mit Ausnahme der Fahrerlaubnisklassen AY, F, G und P, in eine zivile Fahrerlaubnis umgeschrieben werden kann, lohnt er sich besonders für Fahranfänger, die vor Antritt ihrer Dienstzeit noch keinen Führerschein besessen haben. Auch wer nach seinem Wehrdienst eine Arbeit als Berufskraftfahrer anstrebt, vorher nur Besitzer eines privaten Autoführerschein war, und beim Bund die Fahrerlaubnis der Klassen C, C1, C1E, D, D1 und D1E absolvieren konnte, darf sich über die kostenlose Zusatzausbildung freuen. Allerdings muss für den gewerblichen Gebrauch zusätzlich an einer Grundqualifikation bei der jeweiligen IHK teilgenommen werden. Diese Grundqualifikation ist für alle Berufskraftfahrer mit der o. g. Führerscheinklassen Pflicht, die ihre Fahrerlaubnis nach dem 10. September 2009 erworben haben.

Haben privaten Verstöße im Straßenverkehr Einfluss auf den Dienstführerschein?

„Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps!“ Diese beliebte Redewendung trifft bei der Bundeswehr nicht zu. Wer darauf hofft, im Zuge seiner Bundeswehrzeit den Dienstführerschein machen zu können, der muss ein möglichst sauberes Punktekonto in Flensburg besitzen. Und wer bereits Besitzer des Bundeswehr-Führerscheins ist, der darf sich im Privatleben nicht als Verkehrsrowdie outen. Denn verliert man seine zivile Fahrerlaubnis aufgrund groben Fehlverhaltens, dann wird einem auch gleichzeitig der Dienstführerschein entzogen. Das ist besonders ärgerlich, da die Chancen auf eine kostenfreie Kraftfahrausbildung bei der Bundeswehr sehr gering geworden sind. Nur wenige Soldatinnen und Soldaten werden hierfür ausgewählt.

Bundeswehrführerschein auch im normalen Straßenverkehr nutzen

Die Fahrschule bei der Bundeswehr wird als „Kraftfahrausbildungszentrum“ bezeichnet. Hier werden Soldatinnen und Soldaten für das Führen von Dienstkraftfahrzeugen ausgebildet. Diese Ausbildung ist von höchster Qualität und für den Auszubildenden auch noch kostenlos, da der Staat hierfür aufkommt. Deshalb sind für den Erwerb des Bundeswehrführerscheins auch nur verhältnismäßig wenig Soldaten und Wehrdienstleistende vorgesehen. Die Zeiten, dass der Bundeswehrführerschein gleichzeitig als zivile Fahrerlaubnis genutzt werden durfte, sind längst vorbei. Heute berechtigt der Dienstführerschein der Bundeswehr lediglich zum Führen speziell ausgewählter Dienstfahrzeuge der Bundeswehr. Er hat auch im öffentlichen Straßenverkehr Gültigkeit, jedoch eben nur für das auserwählte Dienstfahrzeug. Wer keinen zivilen Führerschein besitzt, darf den Dienstführerschein der Bundeswehr also nicht als Ersatz ansehen. Um den Bundeswehrführerschein auch privat nutzen zu können, muss er in eine allgemeine Fahrerlaubnis umgeschrieben werden. Da die Kraftfahrausbildung beim Bund wie bei der allgemeinen Führerscheinausbildung eine theoretische und praktische Prüfung beinhaltet, ist die Umschreibung bei der zuständigen Verwaltungsbehörde kein Problem. Lediglich die speziellen Fahrerlaubnisklassen AY, F, G und P lassen sich nicht umschreiben. Berufskraftfahrer müssen zudem an einer Grundqualifikation teilnehmen, bevor sie ihre Fahrerlaubnis gewerblich nutzen.

Wie funktioniert das Umschreiben eines Bundeswehrführerscheins?

Besitzer einer Dienstfahrerlaubnis der Bundeswehr sind lediglich zum Führen von bundeswehrspezifischen Dienstkraftfahrzeugen berechtigt. Der Bundeswehrführerschein ist also nicht mit der zivilen Fahrerlaubnis zu vergleichen. Er ist auf die Dauer des Dienstverhältnisses beschränkt und wird nach Dienstende eingezogen. Eine Umschreibung in eine zivile Fahrerlaubnis ist jedoch, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, möglich. Hierfür zuständig ist die jeweilige Verwaltungsbehörde. Für die Umschreibung werden folgende Unterlagen benötigt:

  • Der Bundeswehrführerschein oder eine entsprechende Bescheinigung der ehemaligen Dienststelle über den früheren Besitz der Dienstfahrerlaubnis
  • Personalausweis
  • 1 aktuelles, biometrisches Passfoto


Die Kosten für die Umschreibung belaufen sich bei rund 45 Euro. Berufskraftfahrer in spe, die ihren Führerschein nach dem 10.09.2009 erworben haben, müssen nach der Bundeswehrzeit und der Führerschein-Umschreibung an einer Grundqualifikation bei der zuständigen IHK teilnehmen.

Was müssen Berufskraftfahrer nach der Umschreibung beachten?

Besitzer des Bundeswehrführerscheins der Fahrerlaubnisklassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE oder D1E haben nach Ende ihrer Wehrdienstzeit die Möglichkeit, eine Anstellung als Berufskraftfahrer anzunehmen. Nach der Umschreibung des Dienstführerscheins bei der zuständigen Verwaltungsbehörde in eine zivile Fahrerlaubnis, ist der Führerschein allerdings noch nicht für den gewerblichen Gebrauch freigegeben. Wurde der Führerschein der o. g. Klassen nach dem 10.09.2009 erworben, muss erst eine Berufskraftfahrer-Qualifikation bei der Industrie- und Handwerkskammer absolviert werden. Nach erfolgreich abgelegter Prüfung steht der neuen Berufung nichts mehr im Weg. Jedoch gelten auch beim umgeschriebenen Bundeswehrführerschein die allgemeinen Regeln bezüglich Führerscheinverlängerung und Weiterbildung für den Berufskraftfahrer. Werden die fünfjährigen Fristen nicht genaustens eingehalten, verliert die Fahrerlaubnis ihre Gültigkeit und alle Prüfungen müssen erneut erfolgreich abgelegt und aus eigener Tasche bezahlt werden.