Wieviel Technik sollte ein Fahrschüler kennen?

Was hält man denn von der Vorstellung, ein Pilot hätte keine Ahnung, was wirklich in seinem Flugzeug technisch abläuft? Wer würde da gerne mitfliegen? Ich nicht.

Und mit einem Auto ist das anders? In gewisser Weise schon – ein Auto kann man (fast) überall anhalten – ein Flugzeug weniger.

Trotzdem, es ist schon eine Blamage, wenn man nicht mal weiß, auf welcher Seite der Tankdeckel ist und wie man den aufmacht. Da füllt man auch leicht mal Benzin in einen Diesel ein, oder schlimmer, umgekehrt, wenn man mit dem Schlauch überhaupt bis zum Einfüllstutzen hinkommt.

Also meine Meinung ist, auch ein Autofahrer von heute sollte wenigstens einige technische Dinge seines fahrbaren Untersatzes schon kennen. Niemand verlangt, dass man Ventile einstellen kann oder einen Zündzeitpunkt – das muss übrigens auch der Pilot nicht können, außerdem ist das wirklich Sache der Werkstatt.

Aber wie man die Motorhaube entriegelt, das muss man schon wissen. Was soll der Salonfahrer von heute denn nun im Motorraum?

Zum Beispiel mal wieder Wasser in die Scheibenwaschanlage gießen – oder will er deswegen tatsächlich in eine Werkstatt fahren? Schön wäre auch, wenn er dieses Wasser nicht versehentlich in die Ölwanne gießt oder gar in den Bremsflüssigkeitsbehälter.

Ach, der Bremsflüssigkeitsbehälter – ja wo ist er denn? Da sollte man doch mal nach der Höhe des Flüssigkeitsspiegels schauen und schnellstens (aber langsam) in die Werkstatt fahren, wenn da zuviel fehlt.

Selbst meine Tante Lieschen weiß, dass ein Automotor ohne Öl nicht mehr allzu lange läuft – ob sie aber auch den Ölmessstab findet? Und den bei ihrem Automatik nicht mit dem Messstab für das Getriebefluid verwechselt?

Gelegentlich kommt es vor, dass ein Motor zu heiß wird, meist weil er ohne ausreichend Kühlmittel im großen Gang einen Berg hinaufgequält wurde – oder im Winter – schlicht eingefroren ist, mangels Frostschutzmittel im Kühlwasser.

Da wäre es gut, wenn man sich vor Öffnen des Kühlwasserbehälters ein wenig an Physik erinnert: Wo ist der Siedepunkt von Wasser? 100 Grad Celsius? Ja schon, bei 1013 Hektopascal in Meereshöhe. Aber hier oben auf dem Brennerpass liegt der Siedepunkt deutlich niedriger und deshalb kann einem das kochende Wasser womöglich ins Gesicht sprudeln, wenn man den Deckel zu früh (weil es jetzt nicht mehr brodelt) öffnet.

Fahrschüler, die ihre Fahrschule hauptsächlich nach dem Kriterium des niedrigsten Preises auswählen, sollten sich mal vorher ein wenig bei Autowerkstätten nach den Stundenpreisen erkundigen, meist so von Euro 80.- /h an aufwärts. Denn dort werden sie bei zu billiger Ausbildung wahrscheinlich bald Kunde sein, vielleicht wegen technischer Fehler oder Unvermögens aber natürlich auch wegen verbogener Karosserie.

Am teuersten sind übrigens Lackierwerkstätten.

Manfred, FL.

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