Experten diskutieren mehrstufigen Führerschein für Fahranfänger

Obwohl das Modell „Begleitetes Fahren ab 17“ in Deutschland Schule macht, ist die Zahl der Unfälle unter Fahranfängern noch immer überdurchschnittlich hoch. Deshalb diskutierten Experten auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar jetzt darüber, in Deutschland einen „mehrstufigen Führerschein“ einzuführen. Das Modell stammt aus Österreich und konnte dort bereits große Erfolge in der Sicherheit im Straßenverkehr erzielen.

Vor wenigen Jahren wurde in Deutschland nach amerikanischem Vorbild das begleitete Fahren ab 17 Jahren eingeführt. Experten erhofften sich dadurch ein Sinken der Unfallzahl, da Führerscheinanfänger auf diese Weise mehr Fahrpraxis sammeln konnten, als nach dem bisherigen Modell. Dennoch komme es immer noch zu viel zu vielen  Unfällen, wie Ulrich Chiellino, Verkehrspsychologe beim ADAC, in einem Interview mit der SZ berichtet. Der Grund dafür sei, dass viele Fahranfänger ihr Können viel zu sehr überschätzten und auf diese Weise ein „trügerisches Sicherheitsgefühl“ entstehe. Deshalb würden besonders in den ersten Monaten nach der Fahrprüfung  überdurchschnittlich viele, teilweise sehr schwere Unfälle gebaut. Chiellino fordert deshalb eine Gesetzesänderung: Durch ein mehrstufiges Modell bei der Fahrausbildung soll die Lernphase der Fahranfänger verlängert werden.

Zweiphasige Fahrausbildung in Deutschland gefordert

Deshalb soll jetzt nach österreichischem Vorbild auch in Deutschland eine Fahrausbildung, bestehend aus zwei Phasen, eingeführt werden. Die erste Phase besteht aus der gewohnten  Ausbildung: Theoretischer und praktischer Unterricht mit anschließenden Prüfungen. Die zweite Phase schließt sich daran an. Sie besteht unter anderem aus einem verbindlichen Fahrsicherheitstraining und sogenannten „Feedback-Fahrten“. Fahranfänger sollen auch nach ihrer erfolgreichen Führerscheinprüfung gelegentlich Fahrten mit erfahrenen Lehrern unternehmen. Diese geben den jungen Fahrern dann eine Rückmeldung über ihr Können und Nichtkönnen. Ziel sei es, so Chiellino, dass die Führerscheinneulinge ihr Können besser einschätzen und ihre Grenzen erkennen könnten.

Auch ein psychologisches Gruppengespräch und eine „Perfektionsfahrt“ gehören zum Pflichtprogramm des österreichischen Modells. Und es hat Erfolg. Österreichische Behörden berichten von einer drastisch sinkenden Zahl an Verkehrsunfällen, seit das mehrstufige Lernmodell eingeführt wurde.

Deutscher Verkehrssicherheitsrat fordert besseres Ausbildungsmodell

Auch der deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) verlangt, dass sich am aktuellen Ausbildungsmodell in Fahrschulen etwas ändert. DVR-Präsident Walter Eichendorf erklärte, dass vor allem die Lernzeiträume verlängert werden müssten – und zwar verpflichtend für jeden Fahranfänger. Auf diese Weise sollten die Fahranfänger besser lernen, ihre eigenen Fähigkeiten realistisch zu erkennen.

Wichtig sei dabei vor allem, dass man als Fahranfänger auch lerne, dass man in manchen Situationen keine Kontrolle mehr über das Fahrzeug hat, so Chiellino. Optimalerweise werde dieses Gefühl in der zweiten Lernphase vermittelt, so dass der junge Fahrer von vornherein vorsichtiger und zurückhaltender fährt, um gefährliche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen.

ACE sieht das mehrstufige Modell skeptisch

Nicht überall wird die Forderung nach einer erweiterten Führerscheinausbildung mit Begeisterung aufgenommen. Der Automobilclub Europa (ACE) sieht die Sache eher skeptisch: Schon jetzt würde in Deutschland jeder dritte Fahrschüler seine Prüfung nicht bestehen. Bei durchschnittlichen Führerscheinkosten von 1.800 Euro sei es daher wichtig, erst einmal die bestehende Ausbildung zu verbessern, ehe weitere kostspielige Stufen hinzugefügt werden.

Chiellino vom ADAC bleibt dennoch bei seiner Meinung. Die zweite Stufe koste dort im Schnitt nur 150 bis 200 Euro mehr, dafür seien die Unfallzahlen unter Fahranfängern aber drastisch gesunken.

Ein Kommentar zu Experten diskutieren mehrstufigen Führerschein für Fahranfänger

  1. Silke sagt:

    Sicherheit im Straßenverkehr ist gut, aber ob mehr Unterricht dazu führt? Nun zum einen wird der Führerschein dann noch teurer, das fördert dich Sicherheit nicht nur den Geldbeutel der Fahrschulen. Zum anderen sollte man doch fragen woran es liegt, den Junge Leute sind in allen Dingen etwas leichtsinning…

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