Achtung Studie! Wie man Fahrschulen NICHT bewerten sollte

Hinweis: Der folgende Artikel stellt die persönliche Meinung des Inhabers Constantin Rehberg wieder und ist ausdrücklich keine sachliche, journalistische Berichterstattung.

Zugegeben, die Welt kann manchmal ganz schön verwirrend und kompliziert sein. Man denke da nur an sechsspurige Autobahnen! Da schätzt es der Mensch, wenn Ordnung ins Chaos gebracht und komplexe Sachverhalte einfach dargestellt werden. Auf der Autobahn kommen deshalb von Zeit zu Zeit Verkehrsleitsysteme zum Zug, für das restliche Leben hat man Studien. Studien sammeln und sortieren Fakten und ziehen daraus ihre Schlüsse. Das erleichtert den Durchblick – zum Beispiel bei der Frage, in welchen Städten man in Deutschland am günstigsten an den Führerschein kommt. Danach weiß man genau, ob man als Fahranfänger Glück oder Pech hat, ob man in der „richtigen“ Stadt wohnt oder ob man sich mit einem „Abzocker“ als Fahrlehrer abfinden muss. So jedenfalls suggeriert es eine „Studie“ des Onlineportals preisvergleich.de, deren Ergebnisse jetzt in der bis dahin ganz seriösen Zeitung „Die Welt“ abgedruckt wurden. Das Resultat: Fahrschulen überall in der Republik sind extrem verärgert und Fahrschüler überall in der Republik möchten auf der Stelle umziehen. Wenn das nur nicht so teuer wäre!

Das Onlineportal hat es fertiggebracht, dem renommierten Blatt ein Sammelsurium an Daten unterzujubeln, das den Titel „Studie“ wirklich nicht verdient hat. Oder ist es inzwischen wissenschaftlich korrekt, Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen? Okay, okay, beide sind Früchte. Aber hat eine Fahrschule, die im Herzen einer deutschen Großstadt ihr Büro unterhält, wirklich die gleichen Rahmenbedingungen wie eine, die auf dem sprichwörtlichen flachen Land agiert? Ist es tatsächlich angemessen, pauschal die Kosten einer Fahrstunde zu vergleichen – unabhängig davon, ob sie im Fiat 500 oder in einem Fünfer BMW absolviert wird? Das scheinen ja ganz schöne Früchtchen zu sein, diese Online-Studienhersteller. „Seriös“ würde sich wohl anders lesen und wäre sicher auch deutlich differenzierter in der Ausarbeitung.
Aber, und das muss man den Herrschaften des besagten Onlineportals neidlos lassen, mit vermeintlich fundierten Vorwürfen wie „Abzocker“ und ähnlichen Verunglimpfungen macht man eher auf sich aufmerksam als mit einer verantwortungsvollen Studie, die ihren Namen wirklich verdient hat. Ist doch viel unterhaltsamer, selbstgerecht über eine ganze Branche herzufallen, als akribisch Posten für Posten abzuchecken, wie sich der Preis für einen Führerschein in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands zusammensetzt.

Was unterm Strich bei der „Studie“ herauskommt, hilft niemandem wirklich weiter. Oder will man dem Verbraucher wirklich weismachen, dass alle Fahrschulen in Tübingen „Abzocker“ sind? Andererseits hat natürlich auch die Branche der Fahrlehrer ihre schwarzen Schafe. Es wäre schön gewesen, wenn preisvergleich.de potenziellen Kunden Mittel an die Hand gegeben hätte, um deren gierige Preispolitik wirklich durchschauen zu können. So aber bleibt nur ein fader Nachgeschmack, wie ihn unvollständige Daten und eine halbherzige Auswertung immer hinterlassen. Der einzige Gewinner dabei ist das Onlineportal. Das hat immerhin von sich reden gemacht.

Wir, als renommierte Online-Plattform fahrschule-123.de, sprechen uns daher in aller Form gegen diesen intransparenten Preisvergleich aus.

3 Kommentare zu Achtung Studie! Wie man Fahrschulen NICHT bewerten sollte

  1. Markus Pfeil sagt:

    Nun ja – natürlich kann man sich als Fahrlehrer ärgern, wenn man als “Abzocker” betitelt wird. Andererseits hatte das ja der ADAC mit seiner Studie im Jahr 2011 und danach der ACE letztes Jahr irgendwie auch schon getan.

    Letztlich sind die Preise selbst der teuersten Fahrschule Deutschlands geradezu lächerlich niedrig, wenn man sie mit den Tarifen der Prüfer vergleicht. Es gibt in Deutschland keine wirklich teuren Fahrschulen. Wirklich teuer sind nur die Gebühren der Prüforganisationen TÜV und Dekra. Wer für 45 Minuten praktische Prüfung 84,97 € verlangen kann, und zwar weil es der Staat ihm vorgibt, der kassiert richtig ab.

    Andererseits lieben wir es ja fast alle, billig einzukaufen. Nur so erklären sich die Erfolge von ALDI, IKEA und auch von Check24 oder Idealo. Nun ja – wenn man bedenkt, wie teuer das Autofahren selbst ist, so bleibt jedenfalls die Investition in die Fahrausbildung oder den Erwerb der Fahrerlaubnis selbst bei noch höheren Preisen überschaubar. Es hat einfach Klasse, mehr verlangen zu können, weil man richtig gut ist oder von seinem guten Ruf leben kann. Bei Frisören, Fluggesellschaften, Hotels oder gar Privatschulen kommt selten jemand auf die Idee, die teureren Anbieter als Abzocker zu bezeichnen. Jedenfalls spricht es Bände, dass die billigste Fahrschule laut der preisvergleich.de-Studie schließen musste, weil sie wohl pleite ist. Liebe Fahrschülerinnen und Fahrschüler spart, wo ihr wollt, aber nicht bei der Fahrschule. Und liebe Fahrlerinnen und Fahrlehrer lasst euch nicht ausbeuten sondern kämpft für geregelte Tagesabläufe und für ein Einkommen über dem Existenzminimum der Pfändungsfreigrenzen.

    Wer nicht mehr als 84,97 € pro Fahrstunde bezahlt, kommt auf jeden Fall noch günstig weg.

  2. Kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Markus hat absolut recht !

  3. Oliver sagt:

    Unglaublich… auch Fahrschulen müssen von etwas leben, Autos, Versicherungen, Lehrer, etc. finanzieren – da stecken richtig dicke laufende Kosten dahinter. Knapp über 80 Euro für eine Fahrstunde ist alles andere als viel, wenn man sich mal mit den Zahlen die dahinter stecken beschäftigt.

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