Der Kapitän im Schiff.
Dienstag, den 3. November 2009Auf einem Schiff ist ganz klar - der Kapitän sagt, wo’s lang geht. Der Mann am Ruder oder an der Maschine tut, was der Captain sagt. Zum Beispiel: “Volle Kraft voraus!” Dann sagt der Mann an der Maschine: “Captain, da ist aber das Wasser zu flach” Der Captain: “Volle Kraft voraus!” Der Matrose: “Ay Ay, Captain” und gibt volle Kraft voraus. Und dann bleibt der Dampfer zwar stecken, aber das hat der Captain gewollt, weil er - im Gegensatz zum Matrosen - gewusst hat, dass der Dampfer unten ein Leck hat und sonst abgesoffen wäre.
So, und jetzt kommen wir ganz schnell wieder an Land und ins Fahrschulauto.
Ein Beispiel aus meiner Praxis. Vor langen Jahren fuhr ich einmal von Sindelfingen, wo ich auf dem Landratsamt war, über die damals noch 1-spurige B-10 wieder nach Stuttgart zurück. Am Steuer eine Dame mittleren Alters, etwa 10 Fahrstunden Praxis und noch recht ängstlich. Wir fuhren am Ende einer PKW-Kolonne mit ca. 65 km/h, hinter uns nach ca. 300 Meter ein großer LKW mit Langholz beladen.
Die PKW-Kolonne kam aus irgendeinem Grund plötzlich zuM Stehen, fuhr aber sofort wieder weiter. Meine Fahrschülerin hielt brav ebenfalls an und fummelte am Ganghebel herum.
Beim Blick in den Spiegel erschrak ich: der LKW kam mit unverminderter Fahrt auf uns zu gerast, weil er wohl erwartete, dass wir ebenfalls sofort weiter fahren würden.
Die Fahrschülerin trat aber die Kupplung voll durch. Ich rief “Kupplung frei”, worauf sie noch fester zutrat. Ich schrie jetzt: “Kupplung weg, sofort”
Siebtrat nach wie vor aufs Pedal.
Der LKW-Fahrer- nun selbst erschrocken, versuchte zunächst noch links vorbeizuziehen - ging nicht, wegen Gegenverkehr, zog wieder nach rechts, vollgebremst mit rauchenden Reifen, streifte meinen Opel hinten rechts, riss mir den rechten Außenspiegel ab, fuhr die 5×10m große Tafel “Autobahn 250m” nieder, kippte rechts in den Graben, die Zugmaschine knickte - zum Glück für den LKW Fahrer, nach links ab, die dicken Baumstämme flogen wie die Streichhölzer geradeaus weiter, der Staub legte sich und die Schülerin trat immer noch die Kupplung durch.
Ich drehte den Zündschlüssel rum und stieg aus. Der LKW-Fahrer drückte seine Fahrertüre nach oben auf und stemmte sich heraus. Weiß wie die Wand. Ich aber wohl auch. “Sie können jetzt die Kupplung loslassen” sagte ich nebenbei ins Auto hinein und ich vermute, sie hat es dann auch getan.
Es kam dann das ganz große Besteck: Feuerwehr, Kranwagen, Polizei und wir hatten noch mehrere Stunden Abwechslung an der Unfallstelle. Übrigens: der LKW war aus Luxemburg und mein Schaden wurde komplett von seiner Haftpflichtversicherung bezahlt.
Warum erzähle ich das hier? Weil vor kurzem ein schlimmer Unfall mit einem Fahrschulauto auf der Autobahn passiert ist, wo die Insassen des Schulautos keine Chance mehr hatten und vom LKW überrollt wurden. Vielleicht war eine ähnliche Situation vorausgegangen, ich weiß es nicht.
Was ich aber weiß ist: Vor der ersten Schulfahrt erkläre ich seither meinen Schülern, dass meine Fahr-Anweisungen sofort und ohne Diskussionen zu befolgen sind - denn der Kapitän im Fahrschulauto ist der Lehrer.
Manfred FL.

