So ist ein guter Fahrprüfer.
Mittwoch, den 18. Februar 2009
Manche Prüfer liefern eine wirklich gute Arbeit. Sie sind freundlich, bieten insbesondere eine freundliche Einleitung vor der Prüfungsfahrt, geben rechtzeitig klare Wegkommandos und halten die Unterhaltung mit dem Fahrlehrer in engen Grenzen, um den Prüfling nicht abzulenken. Diese Prüfer haben mehrere ausgewogene Prüfstrecken, wobei auch die Tageszeit berücksichtigt wird, weil es eben Rush-Hours gibt, wo sonst harmlose Kreuzungen für Anfänger fast unbezwingbar sein können. Ein Prüfer, der neu im Ort ist, scheut sich nicht, die Wegfindung dem Fahrlehrer zu überlassen. Damit kommt er zwar sicherlich nicht an die allerschwierigsten Stellen in diesem Prüfort – aber die findet jeder Prüfer nach ein, zwei Prüftagen dort von alleine. Bei der Wegangabe durch den Fahrlehrer wird es möglicherweise manchmal sogar schwieriger als der Prüfer es gewollt hätte, weil der Fahrlehrer ja seine Pappenheimer kennt und manchem seiner Schüler auch mal anspruchsvollere Manöver zutraut. Außerdem kommt da noch ins Spiel, dass der Fahrlehrer zeigen möchte, wie gut er ausbildet und schon deshalb von allein schon keine Strecken aussucht, die seine Oma im Tiefschlaf bewältigen würde.
Ein guter Prüfer verlangt auch keine Sachen, die er selbst nicht machen würde – zum Beispiel Einparken in eine kleine Lücke in einer belebten Durchgangsstraße. Es wirkt kaum sehr fördernd für die Prüftemperatur, wenn sich hinter dem einparkenden Schulauto eine Kolonne ungeduldiger Verkehrsteilnehmer bildet. Ein guter Prüfer kommentiert auch schon mal einen Fehler, der tolerierbar ist: „Also nun regen Sie sich mal nicht auf, das war zwar so nicht ok aber man kann es noch durchgehen lassen – wenn Sie es jetzt nicht dauernd so machen“. Der gute Prüfer kommentiert aber keineswegs jedes Fahrmanöver – das wird wohl auch generell so gehandhabt, eher zu restriktiv. Dennoch: sowohl Prüfling als auch der Fahrlehrer hätten schon gerne mal ein Feed-Back über die Toleranzschwelle des Herrn Sachverständigen. Bei Grenzfällen in punkto Fahrkönnen kann ein guter Prüfer sich auch mal eine Fahrlehrer-Beurteilung über den Aspiranten einholen. Dafür lässt man rechts ranfahren und steigt selbst mitsamt dem Fahrlehrer aus, um das Verhalten mal ungestört zu besprechen. Das Ergebnis solcher Besprechung könnte dann der Prüfer durchaus dem Schüler – der es ja gemerkt hat, dass da was im Busch ist - mitteilen: „ Also, Herr Sowieso, so ganz bin ich mit Ihrem Fahren nicht zufrieden, da schwanke ich noch, ob ich Sie durchlassen kann. Wenn Sie mir von jetzt an wirklich zeigen, dass Sie den Außenspiegel intensiver nutzen, kann es noch was werden. Ihr Fahrlehrer sagt, dass Sie das sonst durchaus richtig machen. Sie wissen also, worauf ich jetzt besonders achte. Und ansonsten erwarte ich natürlich auch weiterhin ein richtiges Verhalten.“
Danach geht es doch wahrscheinlich in gereinigter Atmosphäre im Auto weiter.
Genauso ist es gut, wenn der Prüfer nach einem eklatanten Fehler sofort verkündet: „Das war’s leider. Wollen Sie selbst zum Ausgangspunkt zurückfahren oder wollen Sie irgendwo unterwegs aussteigen?
Auch wenn die Prüfung bestanden wurde und man wieder am Ausgangspunkt angelangt ist, verkündet der gute Prüfer sein Urteil sofort. Und die Detailbewertung kommt danach.
Manfred, FL
Auszug aus dem Buch „Führerschein? Keiner ist zu blöd!“
ISBN Nr. 978-3-8370-0645-2

